Deutsche Handschriften lesen

Transkription alter deutscher Dokumente

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Ludwig Bösendorfer an Martha Remmert

15. Februar 1905.

Eine Nachricht des österreichischen Klavierbauers Ludwig Bösendorfer an die Pianistin Martha Remmert (1853–1941), eine der begabtesten Schülerinnen von Franz Liszt. Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach ernannte sie 1881 zur großherzoglichen Hofpianistin. 1892 erhielt sie von Ernst von Sachsen Herzog von Coburg und Gotha die silberne Ernst-Medaille und von Ernst Herzog von Sachsen, Jülich, Kleve und Berg die Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft in Gold mit Krone. Johann Albrecht Herzog von Mecklenburg-Schwerin überreichte Martha Remmert 1893 eine Verdienstmedaille in Gold. 1914 verlieh der Herzog von Sachsen, Jülich, Kleve und Berg in Altenburg ihr zum Abschluss des dortigen Musikfests die Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft in Gold mit Krone.

Mit freundlicher Genehmigung © Klassik Stiftung Weimar · GSA 59/465,11

»Wien am 15/2. 1905 / Hochverehrte Meisterin. / Können sie mich als ordentliches / Mitglied für den Lisztverein brauchen, / werde ich sehr erfreut sein. / Leider habe ich es nicht bis zum / Capitalisten gebracht. / In Verehrung & Hochachtung / Ihr ganz ergebener / Bösendorfer« (Mit mit Liszt-Vereinmeinte Ludwig Bösendorfer die von Martha Remmert damals in Gründung befindliche (Berliner) Franz-Liszt-Gesellschaft, die bis 1937 existierte.)

Aus einem Transkriptionsauftrag für die biografischen und musikwissenschaftlichen Arbeiten über Martha Remmert von Dieter Nolden: Die Pianistin Martha Remmert, Eine Meisterschülerin von Franz Liszt, Band 1 und 2. Wilhelmshaven 2019 und 2020.

Die Handschrift im frühen 20. Jahrhundert

aus: R. Markert und K. Schander: Mein erstes Lesebuch. Nürnberg, 1916

Ludwig Sütterlin entwickelte 1911 eine Ausgangsschrift  für das Erlernen von Schreibschrift in den Schulen. Diese von der deutschen Schreibschrift (Kurrent) leicht abgewandelte Schrift galt etliche Jahre neben der lateinischen Schreibschrift (für Fremdsprachen) als die Handschrift, die jedes Kind lernen sollte.

Ab 1915 wurde die Sütterlinschrift in den Schulen Preußens eingeführt, jedoch am 1. September 1941 wieder verboten (Normalschrifterlass). Der Gebrauch von gebrochenen Druckschriften (Fraktur) wurde schon am 3. Januar 1941 untersagt. Als Grund dafür mag gelten, dass außerhalb Deutschlands niemand diese Handschriften lesen konnte  und die Druckschriften auch nicht, nur die Deutschen selbst.

Für den Alltag war das nebensächlich. Jeder Schreiber hatte seine eigene spezielle Handschrift. Und für Transkriptionen liegt genau da die Herausforderung. Da kann man froh sein, dass das deutsche Alphabet nur 26 Buchstaben hat, allerdings große und kleine, und die drei wichtigsten Umlaute Ä, Ö und Ü.

Fremdsprachen schrieb man auch an deutschen Schulen in lateinischer Schrift, außer natürlich Russisch, Chinesisch, Devanagari etc.

Postkarte aus Deutsch-Südwestafrika

Christoph Nutz an seine Verlobte Elise Frank in Schwabach, Dezember 1906

Ein schnell notierter Text in alter deutscher Schrift vom 24. Dezember 1906 – vor Sütterlin. Diese private Handschrift hält sich im Detail nicht an vorgegebene Regeln. Die Person, an die diese Postkarte adressiert ist, wird sie lesen können, ganz sicher. A quickly noted text in old German script from 1906, even before Suetterlin. This private hand does not follow any rules in detail. The person to whom this message was addressed was certainly familiar with this kind of writing. Die in diesem Blog vorgestellten Beispiele sind alle in meinem Besitz, wenn nichts anderes angegeben ist. Für Aufträge gilt absolute Verschwiegenheit. If not stated otherwise, the examples presented in this blog are all privately owned. For my clients, I guarantee absolute confidentiality.